18. Juni
Wer sich niedrig macht wie die geebnete Diele, den treten die Füsse — und doch trägt er das ganze Haus. Die Demut, die aushält, steht fester als der stolze Turm.
Der Tempel (frei übertragen)
Hörmodus
Wer sich niedrig macht wie die geebnete Diele, den treten die Füsse — und doch trägt er das ganze Haus. Die Demut, die aushält, steht fester als der stolze Turm.
Es gibt eine Zurückhaltung, die dir die anderen gern überlassen. Wenn du in einer Runde nachgibst, die unbeliebte Aufgabe übernimmst oder einen Streit schlichtest, ohne selbst recht zu bekommen, bedankt sich selten jemand. Nach einer Weile rechnen sie einfach damit.
Von außen lässt sich kaum erkennen, warum du so handelst. Vielleicht ist dir die Sache wichtiger als dein Ansehen. Vielleicht scheust du den Widerspruch und die kurze Kälte, die danach im Raum stünde. Beides sieht nach Bescheidenheit aus, und in beiden Fällen läuft die Arbeit weiter. Selbst dir fällt der Unterschied oft nicht auf.
Deutlicher wird er, wenn du dir vorstellst, einmal Nein zu sagen. Bleibt der Gedanke ruhig, dann ist dein Nachgeben womöglich eine Entscheidung. Erschreckt er dich, hält dich vielleicht eher etwas fest, als dass du selbst etwas hältst. Dieselbe Geste kann Stärke sein oder Angst, und manchmal ist sie eine Weile lang beides.
Am nächsten Morgen übernimmst du die Aufgabe vielleicht trotzdem. Diesmal weißt du allerdings, dass du sie auch hättest ablehnen können. Die anderen wissen es nicht.