16. Juni
Die Ros' ist ohn' Warum, sie blühet, weil sie blühet, / Sie acht't nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.
Der cherubinische Wandersmann
Der nächste Ton
Die Ros' ist ohn' Warum, sie blühet, weil sie blühet, / Sie acht't nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.
Mestre Romão konnte ein Orchester zum Leuchten bringen. Nur eine eigene Melodie gelang ihm nicht. Seit seiner Hochzeit bewahrte er den Anfang eines Liedes auf; seine Frau war längst gestorben. Die Noten endeten auf einem A.
Als er schwer krank wurde, ließ er das Cembalo ins hintere Zimmer bringen und versuchte es noch einmal. Durch das Fenster sah er im Nachbarhaus ein frisch verheiratetes Paar. Er spielte den Anfang, suchte den nächsten Ton, begann von vorn. Schließlich zerriss er das Blatt.
In diesem Augenblick fing die junge Frau am anderen Fenster an, gedankenverloren vor sich hin zu singen. Auf ein A folgte genau die Wendung, nach der er jahrelang gesucht hatte. Romão hörte zu und schüttelte traurig den Kopf.