6. Juni
Das Auge sieht sich selbst nicht, kein Sinn erfasst den, der in ihm wahrnimmt. Wende dich nach innen: Klar wird, wer den Seher hinter dem Sehen erkennt.
Katha-Upanishad (frei übertragen)
Hörmodus
Das Auge sieht sich selbst nicht, kein Sinn erfasst den, der in ihm wahrnimmt. Wende dich nach innen: Klar wird, wer den Seher hinter dem Sehen erkennt.
Wenn du jemandem zuhörst und dich dabei fragst, wie aufmerksam du gerade bist, hast du schon aufgehört zuzuhören. Vor dir liegen jetzt zwei Dinge: das Gespräch und du selbst als jemand, der zuhört oder eben nicht. Während du nachprüfst, läuft das Gespräch ohne dich weiter.
Mit jedem Blick nach innen geht es dir ähnlich. Was du dort findest, eine Stimmung, eine Absicht, einen halb fertigen Gedanken, liegt schon vor dir wie ein Gegenstand. Wer es gefunden hat, taucht unter den Funden nicht auf. Du kannst dich nach ihm umdrehen, aber er dreht sich mit.
Vergeblich ist Selbsterkenntnis deshalb nicht. Vielleicht hat sie zwei Seiten, die sich nicht zur Deckung bringen lassen. Auf der einen sammelst du Befunde: dass du schnell gekränkt bist oder lieber fragst als antwortest. Auf der anderen sammelst du nichts. Dort bemerkst du höchstens, dass all diese Befunde jemandem erscheinen, der in keinem von ihnen aufgeht.
Mitten im Gespräch denkst du daran selten. Wenn du ganz bei dem anderen bist, fehlt dir nichts. Dabei hat niemand nachgesehen, wer da zuhört.