31. Mai
Fortuna nimmt zurück, was sie geliehen hat — Besitz, Namen, Gunst. Doch dich selbst hat sie dir nie gegeben; darum kann sie dich dir auch nicht nehmen.
Trost der Philosophie (frei übertragen)
Hörmodus
Fortuna nimmt zurück, was sie geliehen hat — Besitz, Namen, Gunst. Doch dich selbst hat sie dir nie gegeben; darum kann sie dich dir auch nicht nehmen.
Wenn du dich irgendwo vorstellst, folgt auf den Namen meist ein zweiter Satz: was du machst, wohin du gehörst. Er ist so eingeübt, dass du ihn kaum bemerkst. Erst wenn er eines Tages nicht mehr stimmt, entsteht an dieser Stelle eine kleine Lücke. Dann merkst du, wie viel er bisher für dich erledigt hat.
Bequem wäre die Annahme, darunter liege das Eigentliche, unberührt und vollständig. So sauber lässt sich das aber nicht trennen. Eine Stellung, ein Ruf, das Wohlwollen anderer haben deinen Ton geprägt, deine Gewohnheiten, sogar die Dinge, die dir auffallen. Manches davon bleibt, auch wenn sein Anlass längst fort ist.
Vielleicht ist das, was dir nicht genommen werden kann, deshalb auch nichts, das du besitzt. Es liegt nicht bereit wie eine Rücklage, auf die du im Notfall zurückgreifst. Eher zeigt es sich erst in der Lücke selbst: ob du sie rasch mit dem nächsten Titel füllst oder eine Weile aushältst, dass der zweite Satz fehlt. Was du dort vorfindest, weißt du vorher nicht.
An einem Abend fragt dich jemand, was du so machst. Du fängst an zu antworten.