30. Mai
Das Gold verliert im Feuer nichts als seinen Schmutz. So geht der Edle durch die Not: geprüft, doch nicht gemindert — was bleibt, ist reiner als zuvor.
Verse des Vemana (frei übertragen)
Hörmodus
Das Gold verliert im Feuer nichts als seinen Schmutz. So geht der Edle durch die Not: geprüft, doch nicht gemindert — was bleibt, ist reiner als zuvor.
Nach einer schweren Zeit merkst du manchmal, dass dich bestimmte Dinge nicht mehr erreichen. Ob eine Nachricht freundlich genug klingt, ob jemand dein Fehlen bei einer Feier bemerkt, ob du in einer Runde den besten Eindruck machst. Zunächst fühlt sich das wie ein Gewinn an. Du bist weniger empfindlich für Kleinigkeiten geworden.
Doch nicht alles, was in solchen Zeiten wegfällt, war überflüssig. Vielleicht planst du seither seltener weit voraus. Vielleicht erzählst du weniger von dir, weil Verständnis nicht so verlässlich kam, wie du gehofft hattest. Auch das kann nach Klarheit aussehen. Gelassenheit und Vorsicht lassen sich von innen schwer unterscheiden.
Es liegt nahe, alles Verlorene nachträglich als Ballast zu verbuchen. Dann hätte die schwere Zeit wenigstens etwas Gutes bewirkt. Allerdings nimmst du dir damit die Möglichkeit, manches zu vermissen, etwa die Unbekümmertheit, mit der du früher Zusagen gemacht hast.
Was geblieben ist, weißt du ziemlich genau. Ob etwas verschwand, weil es nichts taugte, oder nur, weil deine Kraft nicht für alles reichte, merkst du womöglich erst, wenn es eines Tages zurückkommt.