25. Mai
In tausend Jahren, wer wird noch von Ruhm und Schande reden? Eines nur bekümmert mich am Ende: dass ich zu Lebzeiten nicht genug getrunken habe vom Wein des Augenblicks.
Elegien auf mich selbst (frei übertragen)
Hörmodus
In tausend Jahren, wer wird noch von Ruhm und Schande reden? Eines nur bekümmert mich am Ende: dass ich zu Lebzeiten nicht genug getrunken habe vom Wein des Augenblicks.
Mitten in einem gelungenen Abend kann es passieren, dass du ihn schon erzählst. Noch sitzt du am Tisch, und in dir entsteht bereits der Satz, mit dem du morgen davon berichten wirst. Ein Teil von dir ist vorausgegangen, um nachzusehen, wie das Ganze von außen wirkt.
Dieser innere Berichterstatter braucht kein großes Publikum. Ihm genügen ein paar Freunde, eine Nachricht, manchmal nur die eigene Erinnerung, die das Erlebte später ordnen soll. Im Kleinen stellt er dieselbe Frage, mit der sonst über Ansehen und Blamage entschieden wird: Wie wird das gewesen sein?
Ganz loswerden kannst du ihn nicht, und vielleicht willst du das auch nicht. Erzählen ist eine Art, andere teilhaben zu lassen. Manches gehört dir erst richtig, wenn du es weitergegeben hast.
Schwierig wird es dort, wo die Erzählung schneller ist als das Erlebnis. Dann hast du einen Abend in gut erzählbarer Form behalten und weißt nicht mehr genau, wie es war, als jemand neben dir lachte und du noch nicht wusstest, warum.