23. Mai
Nicht die Schönheit des Gesichts ziert den Menschen, sondern die Lauterkeit des Wortes, die Sorgfalt des Werks und die Stille des Wesens. Ein Charakter, unauffällig gepflegt, ist die Zier, die am längsten bleibt.
Gebote für Frauen (frei übertragen)
Hörmodus
Nicht die Schönheit des Gesichts ziert den Menschen, sondern die Lauterkeit des Wortes, die Sorgfalt des Werks und die Stille des Wesens. Ein Charakter, unauffällig gepflegt, ist die Zier, die am längsten bleibt.
Wenn jemand, der dich lange kennt, beschreiben soll, wie du bist, nennt er selten das, worauf du selbst geachtet hast. Vielleicht erwähnt er, dass du Zusagen auch dann einhältst, wenn sie unbequem geworden sind, oder dass du über Abwesende so sprichst, wie du mit ihnen sprechen würdest. Du hattest das nie für eine Eigenschaft gehalten. Es war einfach deine Art, die Dinge zu erledigen.
Darin liegt eine merkwürdige Ungleichheit. Ein Gesicht zeigt sich auf den ersten Blick, ein Charakter erst in der Wiederholung. Dafür braucht es jemanden, der dich oft genug erlebt hat, auch an Tagen, an denen dir etwas misslungen ist. Wer deine Verlässlichkeit kennt, kennt meist auch deine Ungeduld.
Pflegen kannst du ihn trotzdem, nur kaum mit Blick auf seine Wirkung. Sobald du ehrlich bist, damit andere dich für ehrlich halten, rechnest du schon wieder mit Zuschauern, und dein nächster Satz wird ein wenig glatter.
Was andere später an dir schätzen, ist vielleicht gerade in den Momenten entstanden, in denen du nicht an dich gedacht hast. Du hörst die Beschreibung, nickst und erkennst dich nur zur Hälfte wieder.