2. Mai
Um zu allem zu gelangen, verlange nichts zu besitzen. Um alles zu sein, wolle in nichts etwas sein. Der Weg dahin führt durch das Nichthaben.
Aufstieg zum Berge Karmel (frei übertragen)
Hörmodus
Um zu allem zu gelangen, verlange nichts zu besitzen. Um alles zu sein, wolle in nichts etwas sein. Der Weg dahin führt durch das Nichthaben.
In einer Gruppe hast du oft eine Rolle, ohne sie je gewählt zu haben. Du bist dann eben jemand, der an alles denkt, oder jemand, der die Stimmung auflockert. Die Rolle ist bequem. Sie sagt den anderen, was sie von dir erwarten können, und dir, wo dein Platz ist.
Merkwürdig wird es, wenn ein Neuer sie dir abnimmt. Er erinnert an die Reservierung, bevor du daran denkst. Eigentlich ist das eine Entlastung. Trotzdem spürst du einen kleinen Stich, als hätte dir jemand etwas weggenommen, das du gar nicht besitzen wolltest.
Ohne die Rolle sitzt du ungewohnt am Tisch. Du weißt nicht recht, worauf du achten sollst, und bemerkst deshalb mehr: ein Zögern in einer Antwort, einen leisen Witz, der dir sonst entgangen wäre, weil du in Gedanken schon beim nächsten Programmpunkt warst.
Du könntest daraus leicht einen Vorsatz machen: überhaupt keine Rolle mehr. Doch auch das wäre eine, nur eine schwerer erkennbare. Beim nächsten Treffen fehlt der Neue, niemand hat an die Reservierung gedacht, und deine Hand greift schon zum Telefon.
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