24. April
Dass es der Welt nicht schlimmer ergeht, danken wir zur Hälfte denen, die verborgen recht lebten und in unbesuchten Gräbern ruhen.
Middlemarch (frei übertragen)
Hörmodus
Dass es der Welt nicht schlimmer ergeht, danken wir zur Hälfte denen, die verborgen recht lebten und in unbesuchten Gräbern ruhen.
Manches Gute besteht darin, dass etwas nicht geschieht. Ein Gerücht kommt bei dir an und geht nicht weiter. Ein Streit hätte sich zuspitzen können, aber jemand sagt den schärferen Satz nicht. Davon bleibt nichts, das du zeigen könntest. Selbst du weißt später kaum, ob dein Schweigen etwas verhindert hat oder ob ohnehin nichts passiert wäre.
Darin liegt eine merkwürdige Ungleichheit. Ein Schaden lässt sich zurückverfolgen: Er hat einen Ort, eine Uhrzeit, oft einen Namen. Ein Schaden, der ausbleibt, hat nichts davon. Niemand kann sich für eine Kränkung bedanken, die ihn nie erreicht hat.
Vermutlich lebst du zwischen vielen solchen Unterlassungen anderer, ohne sie zu kennen. Manche Ruhe, die du für selbstverständlich hältst, könnte aus lauter Zurückhaltung bestehen, über die niemand Buch geführt hat. Das kann tröstlich sein. Es macht aber auch die eigene Sorgfalt schwer zu bemessen, denn bestätigt wird sie nie.
Ob dein Schweigen damals etwas bewirkt hat, erfährst du nicht. Der Mensch, um den es ging, grüßt dich am nächsten Morgen wie immer.