23. April

Aufrecht stehen — nicht aufgerichtet werden.

Marc Aurel Selbstbetrachtungen III,5

Hörmodus

Aufrecht stehen — nicht aufgerichtet werden.

Marc Aurel

Nach einem Gespräch mit jemandem, der dir gut zugeredet hat, fühlst du dich oft fester. Die Sorge war eben noch groß, jetzt scheint sie handhabbar. Am nächsten Morgen ist davon manchmal wenig übrig. Die Zuversicht hing offenbar an seiner Stimme, und ohne sie sackt die Sache wieder in sich zusammen.

Das spricht nicht gegen das Gespräch. Niemand steht ganz ohne andere. Vieles, worauf du dich heute verlässt, hat dir einmal jemand vorgesagt. Der Unterschied liegt woanders: Ein fremder Satz kann dich nur stützen, solange er gesprochen wird. Oder du kannst ihn mit der Zeit selbst denken, in eigenen Worten und auch an Tagen, an denen er dir gerade nicht gefällt.

Von außen ist das kaum zu unterscheiden, und von innen nicht sofort. Ob eine Zuversicht dir gehört, merkst du selten in dem Augenblick, in dem sie dir jemand gibt. Eher später, wenn du sie brauchst und niemand da ist, der sie wiederholt.

Manchmal stellst du dann fest, dass du einen Satz längst anders sagst als der Mensch, von dem du ihn hast.

Anna Atkins, Enteromorpha intestinalis, Cyanotypie
Enteromorpha intestinalis · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Enteromorpha intestinalis, Cyanotypie

Enteromorpha intestinalis · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae