18. April
Wie ein Ziel nicht aufgestellt wird, damit man es verfehle, so entsteht auch nichts Übles von Natur aus in der Welt.
Handbüchlein der Moral, 27
Hörmodus
Wie ein Ziel nicht aufgestellt wird, damit man es verfehle, so entsteht auch nichts Übles von Natur aus in der Welt.
Wenn du an etwas zurückdenkst, womit du einen anderen Menschen gekränkt hast, suchst du vielleicht nach dem Moment, in dem du schlecht sein wolltest. Meist findest du ihn nicht. Du findest einen anderen Wunsch: Ruhe haben, recht behalten, nicht schon wieder nachgeben müssen. Keiner davon war an sich verwerflich. Der Fehler lag eher darin, wie viel Gewicht er gegenüber allem anderen bekam.
Das wirkt zunächst entlastend, ist es aber nur zur Hälfte. Hätte das Schlechte in dir einen eigenen Ort, könntest du ihn wenigstens meiden. So aber stammt der Fehler aus demselben Wunsch wie manches, was du an dir schätzt. Das Bedürfnis nach Ruhe, das damals ein Gespräch abgewürgt hat, lässt dich an anderen Tagen gelassen bleiben, wo andere längst laut werden.
Bei anderen fällt dir diese Unterscheidung schwerer. Wer dich verletzt hat, scheint es gewollt zu haben, denn du kennst vor allem die Wirkung. Vielleicht wollte er nur nicht verlieren. An dem, was geschehen ist, ändert das für dich wenig.
Es ändert eher, worauf du achtest, wenn er das nächste Mal etwas sagt.