6. April
Der Strom fliesst ohne Ende, und doch ist sein Wasser nie dasselbe. Wo er staut, treibt Schaum: hier zergeht eine Blase, dort bildet sich eine neue. Nicht anders sind die Menschen und ihre Wohnungen.
Aufzeichnungen aus meiner Hütte (frei übertragen)
Hörmodus
Der Strom fliesst ohne Ende, und doch ist sein Wasser nie dasselbe. Wo er staut, treibt Schaum: hier zergeht eine Blase, dort bildet sich eine neue. Nicht anders sind die Menschen und ihre Wohnungen.
Über eine Freundschaft, die viele Jahre besteht, sagst du vielleicht, sie habe gehalten. Das Wort klingt nach etwas Festem. Dabei habt ihr in all der Zeit kaum ein Gespräch zweimal geführt. Worüber ihr früher bis in die Nacht geredet habt, kommt heute nicht mehr vor, und ihr lacht über Dinge, die es damals noch gar nicht gab.
Vielleicht hat sie gerade deshalb gehalten. Wäre die Freundschaft bei ihren ersten Themen geblieben, hätte sie euch irgendwann nicht mehr gefunden. Dauer und Gleichbleiben sind zweierlei, manchmal schließt das eine das andere sogar aus.
Schwierig wird es, weil sich von innen kaum unterscheiden lässt, ob sich etwas verwandelt oder ausläuft. Beides geschieht leise, in den Abständen zwischen zwei Treffen, die etwas länger werden oder auch nicht. Kein Augenblick meldet, dass aus Veränderung ein Ende geworden ist. Oft nennst du das eine erst im Rückblick Entwicklung und das andere Verlust, je nachdem, wie es ausgegangen ist.
Beim nächsten Treffen sitzt dir jemand gegenüber, den du lange kennst. Ob du ihn noch kennst, erfährst du nicht aus den alten Gesprächen.