3. April
Die Dinge berühren die Seele nicht; sie stehen draußen und unbewegt. Unsere Beunruhigungen kommen allein aus der Meinung im Innern.
Selbstbetrachtungen V,19 (frei übertragen)
Hörmodus
Die Dinge berühren die Seele nicht; sie stehen draußen und unbewegt. Unsere Beunruhigungen kommen allein aus der Meinung im Innern.
Ein Satz, beiläufig in einer Besprechung gesagt, kann dich bis in die Nacht begleiten. Gesprochen wurde er einmal. Du wiederholst ihn, prüfst den Tonfall, ergänzt, was vielleicht gemeint war. Irgendwann ist er länger als das ganze Gespräch.
Dann fällt dir auf, dass der Satz selbst längst nichts mehr tut. Die Arbeit leistest du. Diese Einsicht kann entlasten. Sie kann aber auch eine zweite Unruhe erzeugen: Wenn du es bist, der den Satz wachhält, müsstest du ihn doch einfach loslassen können. Dass dir das nicht gelingt, wird zum neuen Vorwurf, diesmal gegen dich selbst.
Zu bemerken, wo deine Unruhe entsteht, ist allerdings etwas anderes, als sie dir zur Last zu legen. Das eine macht sie durchschaubarer. Das andere liefert ihr nur einen weiteren Satz, den du in der Nacht wiederholen kannst, mit demselben prüfenden Tonfall.
Vielleicht liegst du trotzdem noch eine Weile wach. Der Satz klingt inzwischen ziemlich nach dir.