25. März
Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen schleift es.
Briefe an Lucilius, 107. Brief
Hörmodus
Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen schleift es.
Manchmal merkst du erst an deinen Selbstgesprächen, dass etwas längst entschieden ist. Du formulierst noch Einwände gegen eine Veränderung, die bereits gilt, und führst Gespräche, in denen du endlich das letzte Wort hast. An der Sache selbst ändert sich dabei nichts. Nur deine Aufmerksamkeit kehrt immer wieder an dieselbe Stelle zurück.
Schwierig ist, dass sich dieser Zustand vorher kaum erkennen lässt. Widerstand kann vernünftig sein, solange noch etwas offen ist; manches gibt nur nach, weil jemand nicht sofort eingewilligt hat. Bist du zu früh einverstanden, hältst du deine Bequemlichkeit leicht für Gelassenheit. Widersprichst du zu lange, gibst du deine Kränkung als Standhaftigkeit aus.
Einverstanden zu sein, heißt dabei nicht, etwas gut zu finden. Du kannst eine Entwicklung weiterhin für falsch halten und trotzdem aufhören, sie in jedem Gedanken neu anzufechten. Erst dann wird sichtbar, was unter den neuen Umständen möglich ist – vielleicht wenig, vielleicht mehr, als du gedacht hast.
Den Unterschied bemerkst du oft erst im Nachhinein: an einem Morgen, an dem dir das alte Argument nicht als Erstes einfällt.