24. März
Sokrates hörte nicht auf zu fragen: Was ist Frömmigkeit? Was ist Gerechtigkeit? Wer die Wörter nicht prüft, die er gebraucht, baut sein Handeln auf Nebel.
Erinnerungen an Sokrates (frei übertragen)
Hörmodus
Sokrates hörte nicht auf zu fragen: Was ist Frömmigkeit? Was ist Gerechtigkeit? Wer die Wörter nicht prüft, die er gebraucht, baut sein Handeln auf Nebel.
Ein Wort wie „zuverlässig“ benutzt du vermutlich, ohne zu zögern. Du lobst damit jemanden, du verlangst es von dir, du schreibst es in eine Absprache. Erst wenn sich zwei Menschen darauf berufen und trotzdem streiten, zeigt sich, dass jeder etwas anderes gemeint hat: der eine Pünktlichkeit, der andere die Erreichbarkeit im Ernstfall.
Solche Wörter sind nicht nachlässig gewählt. Gerade weil sie unscharf sind, können viele ihnen zustimmen. Eine Gruppe kann sich auf Fairness einigen, lange bevor sie weiß, ob alle dasselbe darunter verstehen. Diese Einigkeit ist nicht bloß Täuschung; oft bringt erst sie ein gemeinsames Vorhaben in Gang.
Wenn du nachfragst, setzt du sie aufs Spiel. Vielleicht merkst du, dass dein eigener Begriff vor allem deine eigenen Fälle abdeckt. Oder dass der andere mit demselben Wort etwas verteidigt, das du ablehnst. Danach wird das Gespräch schwieriger, und manches Einvernehmen hält nicht.
Dafür weißt du dann, worüber ihr uneins seid. Vorher habt ihr euch nur in einem Wort getroffen, das sich jeder für sich eingerichtet hatte.