22. März
Man muß etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.
Sudelbücher
Hörmodus
Man muß etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.
Manches über dich erfährst du erst, wenn dir die gewohnten Mittel fehlen. Sprichst du eine Fremdsprache, die du nur halb beherrschst, merkst du vielleicht, wie oft du sonst mit Ironie ausweichst. Jetzt fehlen dir die Wörter dafür. Du sagst die Dinge gerader, als du willst, und klingst dir selbst ein wenig fremd.
Durch Nachdenken allein hättest du das kaum gefunden. Mit dieser Gewohnheit hast du ja gedacht. Sie zeigt sich erst, wenn sie nicht mehr greift.
Allerdings lässt sich dieser Blick schlecht bestellen. Fängst du etwas Neues nur an, um dabei etwas über dich zu erfahren, bleibst du leicht Zuschauer deines eigenen Versuchs. Du achtest dann mehr auf die erhoffte Einsicht als auf die Sache. Das Unerwartete braucht aber gerade die Momente, in denen dich das Ungewohnte ganz beschäftigt.
Und es ist nicht immer willkommen. Was du siehst, betrifft oft gar nicht das Neue, sondern das Alte, zu dem du zurückkehrst. Am nächsten Tag sprichst du wieder deine eigene Sprache. Die Ironie ist sofort zur Stelle, und diesmal bemerkst du sie.