21. März

Der Anfang der Philosophie ist das Bewusstsein der eigenen Schwäche.

Epiktet Unterredungen II,11

Hörmodus

Der Anfang der Philosophie ist das Bewusstsein der eigenen Schwäche.

Epiktet

Manche Schwächen kennst du so gut, dass du sie vorstellen kannst wie eine Eigenschaft. Du bist eben ungeduldig, schlecht im Absagen, zu schnell mit einem Urteil. Wenn du das sagst, nicken die anderen oft, manchmal lachen sie mit dir. Der Satz klingt ehrlich und kostet doch wenig.

Er hat nämlich eine merkwürdige Wirkung: Er beendet die Frage. Was benannt ist, scheint verstanden, und was verstanden scheint, muss niemand mehr untersuchen. Die Schwäche wird zu einem Teil deiner Selbstbeschreibung, beinahe zu einem Besitz.

Anders ist es, wenn sie dich überrascht. Du fällst jemandem ins Wort, obwohl du dir gerade vorgenommen hattest zuzuhören, und merkst es erst an seinem Gesicht. In diesem Moment hast du keinen fertigen Satz über dich. Du weißt nur, dass etwas in dir schneller war als deine Absicht, und nicht, warum.

Das ist unbequemer als jedes Eingeständnis und lässt sich schlecht erzählen. Aber hier kannst du dich etwas fragen, dessen Antwort du nicht schon mitgebracht hast.

Beim nächsten Abendessen sagst du vielleicht wieder, du seist eben ungeduldig. Es stimmt ja auch.

Anna Atkins, Rhodomenia jubata, Cyanotypie
Rhodomenia jubata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Rhodomenia jubata, Cyanotypie

Rhodomenia jubata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae