15. März
Wenn du Fortschritte machen willst, ertrage es, in äußeren Dingen für töricht und einfältig gehalten zu werden.
Handbüchlein der Moral, 13
Hörmodus
Wenn du Fortschritte machen willst, ertrage es, in äußeren Dingen für töricht und einfältig gehalten zu werden.
Eine Frage, deren Antwort alle anderen offenbar kennen, stellst du meist erst, wenn du sie lange genug mit dir herumgetragen hast. Bis dahin nickst du. Das Nicken kostet nichts und lässt dich kundig aussehen. Nur verstehst du danach nicht mehr als vorher.
Etwas zu lernen heißt irgendwann, die Stelle zu zeigen, an der du es noch nicht kannst. Unangenehm ist das vor allem wegen der ungleichen Zeit: Der Eindruck, den du machst, entsteht sofort, das Verständnis kommt später, wenn überhaupt.
Daneben gibt es eine zweite, leisere Verwechslung. Nicht jeder verwunderte Blick bedeutet, dass du auf dem richtigen Weg bist. Manchmal hat der andere schlicht recht. Hast du dich erst daran gewöhnt, für einfältig gehalten zu werden, kann dir genau das als Beweis erscheinen. Dann hörst du ebenso wenig zu wie damals, als du nur genickt hast.
Von innen fühlen sich beide Lagen ähnlich an: ein wenig Trotz, ein wenig Scham.
Nach dem Gespräch schreibst du dir die Antwort auf. Sie ist kürzer, als du befürchtet hattest, und an einer Stelle überzeugt sie dich noch immer nicht.