14. März
Der Fluss fließt ohne Unterlass, und doch ist sein Wasser nie dasselbe.
Aufzeichnungen aus meiner Hütte (frei übertragen)
Hörmodus
Der Fluss fließt ohne Unterlass, und doch ist sein Wasser nie dasselbe.
Vor Jahren hast du jemandem etwas zugesagt, ganz selbstverständlich. Nun ist der Tag gekommen, an dem du es einlösen sollst, und du merkst, dass dir die Gründe von damals fremd geworden sind. Falsch sind sie nicht, nur fremd. Wer das versprochen hat, wusste vieles noch nicht, was du inzwischen weißt.
Der andere fragt nicht, ob du noch derselbe bist. Er erinnert sich an dein Wort, nicht an deine damalige Verfassung. Für ihn führt eine Linie von jenem Satz bis heute, die du von innen kaum noch spürst.
Du könntest sagen, dass du dich verändert hast, und das wäre nicht einmal gelogen. Dann aber gälte jede Zusage nur so lange, wie du dich nicht weiterentwickelst, also kaum länger als eine Stimmung.
Vielleicht hältst du das Versprechen also gar nicht, weil du geblieben bist, wer du warst. Es könnte gerade umgekehrt sein: Du bist jemand geworden, der für einen früheren Menschen einstehen kann, ohne noch ganz dieser Mensch zu sein.
Du rufst an und sagst, dass du kommst. Ob du es heute noch einmal versprechen würdest, fragt dich niemand.