4. März

Nimm die Welt, wie sie ist, und du siehst sie als Geschenk. Im Danken verwandelt sich das Los in eine Krone.

Thomas Traherne Jahrhunderte der Meditationen (frei übertragen)

Hörmodus

Nimm die Welt, wie sie ist, und du siehst sie als Geschenk. Im Danken verwandelt sich das Los in eine Krone.

Thomas Traherne

Wenn dir jemand unerwartet etwas schenkt, sagst du vielleicht zuerst: „Das wäre doch nicht nötig gewesen.“ Der Satz ist höflich, aber er verrät auch ein leichtes Unbehagen. Ein Geschenk passt in keine Rechnung. Du hast es nicht erarbeitet, und eine bestimmte Gegenleistung schuldest du dafür nicht.

Mit vielem in deinem Leben geht es dir ähnlich, obwohl es dir nie jemand überreicht hat: die Sprache, in der du denkst, ein Mensch, der dir früh etwas zugetraut hat, ein Körper, der meistens mitmacht. Solche Dinge schreibst du dir leicht selbst zu, als hättest du sie dir verdient. Oder du entschuldigst sie halb, weil andere sie nicht haben.

Danken wäre eine dritte Möglichkeit. Du würdest das Erhaltene weder als Leistung verbuchen noch als Vorsprung verstecken. Allerdings hat auch Dankbarkeit eine Grenze. Von dir selbst kannst du sie erwarten. Von jemandem, dem wenig zugefallen ist, solltest du sie nicht verlangen. Dort wird sie leicht zu einer Aufforderung, sich nicht zu beklagen.

Bei dir selbst kannst du es versuchen. Beim nächsten Geschenk könntest du den ersten Satz einfach weglassen.

Anna Atkins, Desmarestia aculeata, young state, Cyanotypie
Desmarestia aculeata, young state · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Desmarestia aculeata, young state, Cyanotypie

Desmarestia aculeata, young state · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae