28. Februar
Die Leidenschaften sind an sich weder gut noch böse. Erst wie die Vernunft sie ordnet und wohin sie sie lenkt, gibt ihnen ihren Wert.
Summa theologica (frei übertragen)
Hörmodus
Die Leidenschaften sind an sich weder gut noch böse. Erst wie die Vernunft sie ordnet und wohin sie sie lenkt, gibt ihnen ihren Wert.
Eine Empörung, die du gut begründen kannst, fühlt sich besonders sauber an. Du hast Argumente und Beispiele, vielleicht hast du sogar recht. Gerade deshalb ist schwer zu erkennen, ob deine Gründe die Erregung lenken oder ihr nur nachträglich eine Form geben. Der Verstand ist ein geschickter Anwalt. Er arbeitet gern für den, der ihn zuerst beauftragt.
Er kann aber auch zu gründlich ordnen. Wenn du jedes heftige Gefühl erst prüfst, bevor du es zulässt, bleibt oft wenig übrig, das noch irgendwohin will. Du bist dann besonnen, aber ohne Richtung. Manches würdest du gar nicht bemerken, wenn dich nichts daran gestört hätte.
Zwischen diesen beiden Fehlern gibt es keine feste Stelle, an der du dich einrichten könntest. Eher stellt sich jedes Mal eine schlichtere Frage: Weiß dein Ärger, wem er eigentlich gilt? Oft trifft er die nächste erreichbare Person, obwohl er einer Sache gilt, die weiter weg liegt und schwerer zu fassen ist.
Der Weg dorthin ist länger. Unterwegs kühlt manches ab, und was ankommt, ist nicht unbedingt weniger.