25. Februar

Frei ist der, dem alles nach Willen geschieht? Nein — der nichts anderes will, als was geschehen kann.

Epiktet Unterredungen IV,1 (frei übertragen)

Hörmodus

Frei ist der, dem alles nach Willen geschieht? Nein — der nichts anderes will, als was geschehen kann.

Epiktet

Manchmal kürzt du einen Wunsch, bevor ihn jemand hören kann. Du bewirbst dich nicht auf die Stelle, die dich reizt, sondern auf die, die du sicher bekommst. Du schlägst ein Treffen vor, aber nur für eine Stunde, damit eine Absage weniger wiegt. Was du dann erreichst, passt genau zu dem, was du wolltest. Enttäuscht wirst du kaum.

Von außen sieht das nach Gelassenheit aus. Von innen fühlt es sich oft anders an: eher wie eine Rechnung, die du aufgemacht hast, bevor die Welt antworten konnte. Die Grenze des Möglichen hast du nicht gefunden, sondern vorsorglich selbst gezogen, ein Stück diesseits von ihr.

Was möglich ist, zeigt sich aber häufig erst, wenn du etwas mehr verlangst. Die Absage kommt, oder sie bleibt aus. Erst danach weißt du, wo die Grenze tatsächlich verläuft, und manchmal liegt sie weiter draußen, als du ihr zugetraut hast.

Es gibt also zwei Arten, mit dem Unerreichbaren einverstanden zu sein. Die eine beginnt nach der Antwort, die andere schon vorher. Wenn du sie aussprichst, klingen beide gleich.

Anna Atkins, Cutleria multifida, Cyanotypie
Cutleria multifida · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Cutleria multifida, Cyanotypie

Cutleria multifida · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae