24. Februar
Um ein Antlitz — Helenas — brach ein Krieg von zehn Jahren herein. Städte sanken, Helden fielen, Mütter weinten am Wall. So teuer bezahlen Menschen ein Bild, das sie im Herzen tragen und Wirklichkeit nennen.
Ilias (frei übertragen)
Hörmodus
Um ein Antlitz — Helenas — brach ein Krieg von zehn Jahren herein. Städte sanken, Helden fielen, Mütter weinten am Wall. So teuer bezahlen Menschen ein Bild, das sie im Herzen tragen und Wirklichkeit nennen.
Je länger du an einer Vorstellung festhältst, desto schwerer lässt sich prüfen, ob sie stimmt. Das liegt nicht nur an der Gewohnheit. Mit der Zeit hängt manches an ihr, das du ihretwegen getan oder gelassen hast: ein Umzug, ein abgebrochener Kontakt, Jahre, in denen du auf etwas hingearbeitet hast.
Ein Zweifel an der Vorstellung scheint dann all das mit in Frage zu stellen. Darum verteidigst du sie womöglich heftiger, als sie es verdient. Nicht weil sie dich noch überzeugt, sondern weil ihr Zusammenbruch rückwirkend etwas entwerten würde.
Dabei verschwimmt eine Unterscheidung. Was du für ein Bild gegeben hast, war wirklich. Die Mühe, der Verzicht, auch die Nächte, in denen du darüber nachgedacht hast, sind geschehen, ob das Bild nun stimmte oder nicht. Um gewesen zu sein, sind sie nicht darauf angewiesen, dass es stimmte.
Leicht wird die Revision dadurch nicht. Vielleicht musst du einen Irrtum vor Menschen eingestehen, die ihn früh gesehen haben. Doch wenn nicht mehr deine ganze Vergangenheit auf dem Spiel steht, bleibt nur das Bild selbst zu prüfen. Es ist oft kleiner, als der Aufwand vermuten ließ.