18. Februar

Am Ufer, im Kommen und Gehen der Wellen, vergaß ich die Welt und mich selbst — und war nichts als da.

Jean-Jacques Rousseau Träumereien eines einsamen Spaziergängers (frei übertragen)

Hörmodus

Am Ufer, im Kommen und Gehen der Wellen, vergaß ich die Welt und mich selbst — und war nichts als da.

Jean-Jacques Rousseau

Manchmal merkst du erst beim Aufschauen, dass eine Stunde vergangen ist. Du hast etwas sortiert, gezeichnet oder jemandem zugehört, und in dieser Zeit hat niemand auf dich geachtet, auch du selbst nicht. Genießen kannst du diesen Zustand nicht, solange er dauert. Sobald du denkst, jetzt bist du ganz bei der Sache, bist du es schon nicht mehr.

Merkwürdig ist, wie sehr das einer anderen Abwesenheit ähnelt. Auf dem gewohnten Heimweg stehst du plötzlich vor der Haustür und weißt nicht mehr, ob die Ampel rot war. Auch da warst du dir abhandengekommen. Auch da fehlt dir hinterher die Erinnerung.

Der Unterschied liegt nicht darin, wie viel du behalten hast, sondern darin, wo du in dieser Zeit warst. Auf dem Heimweg war deine Aufmerksamkeit nirgends, oder sie kreiste um dich selbst. In der anderen Stunde hing sie so sehr an einer Sache, dass für dich kein Platz mehr blieb.

Woran du es merkst, ist meist eine Kleinigkeit. Das Licht hat sich verändert, und das Zimmer wirkt kurz fremd, als kämst du von weiter her zurück als vom Tisch.

Anna Atkins, Nitophyllum punctatum ß ocellatum, Cyanotypie
Nitophyllum punctatum ß ocellatum · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Nitophyllum punctatum ß ocellatum, Cyanotypie

Nitophyllum punctatum ß ocellatum · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae