15. Februar

Alles, was geschieht, ist so gewöhnlich und bekannt wie die Rose im Frühling und die Frucht im Sommer: so auch Krankheit, Tod, Verleumdung und Nachstellung — und alles, was die Toren erfreut oder betrübt.

Marc Aurel Selbstbetrachtungen IV,44

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Alles, was geschieht, ist so gewöhnlich und bekannt wie die Rose im Frühling und die Frucht im Sommer: so auch Krankheit, Tod, Verleumdung und Nachstellung — und alles, was die Toren erfreut oder betrübt.

Marc Aurel

„Das kommt häufig vor“, sagt die Ärztin, und du weißt nicht recht, ob dich der Satz beruhigt oder kränkt. Er bedeutet, dass es Erfahrung gibt, bewährte Wege, Zahlen. Zugleich verschwindet darin etwas, das dir gerade sehr eigen vorkam: die Nacht, in der du wach gelegen hast, die Angst mit ihrer ganz bestimmten Färbung.

Dass etwas gewöhnlich ist, nimmt ihm nicht sein Gewicht. Ein Verlust wird nicht leichter, weil ihn Millionen kennen. Er hört nur auf, ein Rätsel zu sein, das sich allein gegen dich richtet. Die Frage, warum gerade du, findet niemanden mehr, an den sie sich wenden könnte.

Das kann entlasten. Es kann dich aber auch einsamer machen. Die Welt hatte für dein Erschrecken schon eine Kategorie, bevor du davon wusstest, und sie ordnet es ein, ohne innezuhalten.

Draußen im Wartezimmer sitzen andere, vermutlich jeder mit etwas Häufigem. Du siehst es keinem von ihnen an.

Anna Atkins, Polysiphonia byssoides, Cyanotypie
Polysiphonia byssoides · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Polysiphonia byssoides, Cyanotypie

Polysiphonia byssoides · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae