13. Februar

„Wir halten uns niemals in der Gegenwart. Wir nehmen die Zukunft vorweg, als käme sie zu langsam, und rufen die Vergangenheit zurück, um sie festzuhalten. So irren wir durch Zeiten, die uns nicht gehören, und denken nie an die einzige, die wirklich unser ist.“

Blaise Pascal Pensées (frei übertragen)

Hörmodus

„Wir halten uns niemals in der Gegenwart. Wir nehmen die Zukunft vorweg, als käme sie zu langsam, und rufen die Vergangenheit zurück, um sie festzuhalten. So irren wir durch Zeiten, die uns nicht gehören, und denken nie an die einzige, die wirklich unser ist.“

Blaise Pascal

Die Vergangenheit hat einen Vorzug, den die Gegenwart nie haben wird: Sie ist abgeschlossen. Du kannst sie erzählen, mit Anfang und Wendung, und selbst ein schwieriger Abschnitt bekommt im Rückblick eine Form. Auch die Zukunft lässt sich gestalten, wenigstens in Gedanken. Du entwirfst sie, verwirfst einen Entwurf und probierst einen anderen.

Die Gegenwart dagegen ist noch ungeordnet. Ob dieser Nachmittag ein guter wird, weißt du erst später. Ein Gespräch, das du gerade führst, könnte belanglos bleiben oder sich als Anfang von etwas erweisen. Solange du darin steckst, fehlt dir der Überblick. Vielleicht bist du deshalb so oft woanders: weniger aus Ungeduld als aus dem Wunsch, die Dinge schon in ihrer fertigen Gestalt zu sehen.

In der erzählten Zeit bist du allerdings immer Zuschauer. Dort kannst du bewerten, bedauern und dich freuen. Eingreifen kannst du dort nicht mehr oder noch nicht.

Hier kannst du noch eine Frage stellen, einen Satz zurücknehmen oder länger bleiben. Welches davon später zählen wird, erfährst du hier nicht.

Anna Atkins, Polysiphonia urceolata, Cyanotypie
Polysiphonia urceolata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Polysiphonia urceolata, Cyanotypie

Polysiphonia urceolata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae