9. Februar
Der Drachen steigt nicht mit dem Wind, sondern gegen ihn. Erst der Widerstand hebt ihn — was ihm entgegensteht, trägt ihn hinauf.
Gedanken (frei übertragen)
Hörmodus
Der Drachen steigt nicht mit dem Wind, sondern gegen ihn. Erst der Widerstand hebt ihn — was ihm entgegensteht, trägt ihn hinauf.
Wenn du in einer Sprache sprichst, die du nur halb beherrschst, fehlen dir ständig Wörter. Du willst etwas Verwickeltes sagen und hast nur einfache Sätze zur Verfügung. Also sagst du: „Ich war traurig.“ Oder: „Das hat mir gefallen.“ Manchmal merkst du erst dabei, dass es genau darum ging.
In deiner eigenen Sprache hättest du Umwege gehabt, ein wenig Ironie, eine Einschränkung, die das Gesagte halb zurücknimmt. Der Mangel nimmt dir diese Ausweichmöglichkeiten. Was übrig bleibt, ist oft deutlicher, als du es freiwillig gewählt hättest.
Doch der Widerstand formt nicht nur, er schneidet auch ab. Manches lässt sich in einfachen Sätzen gar nicht sagen, und dann klingst du gröber oder kindlicher, als du bist. Ob eine Grenze dich zur Genauigkeit zwingt oder dich bloß kleiner macht, erkennst du nicht an der Grenze selbst. Es hängt eher davon ab, ob du an dem festhältst, was du sagen willst, während sie dagegendrückt.
Dein Gegenüber nickt. Vielleicht hat es dich verstanden. Vielleicht auch nur den einfacheren Menschen, der du in dieser Sprache gerade bist.