8. Februar

Höre auf zu hoffen — und du wirst aufhören zu fürchten: Beide gehören zusammen wie Gefangene an einer Kette.

Hekaton von Rhodos zitiert bei Seneca, 5. Brief

Hörmodus

Höre auf zu hoffen — und du wirst aufhören zu fürchten: Beide gehören zusammen wie Gefangene an einer Kette.

Hekaton von Rhodos

Manchmal ist eine Absage leichter zu ertragen als das Warten auf sie. Solange die Entscheidung aussteht, prüfst du jedes Zeichen: wie lange keine Antwort kommt, wie freundlich der letzte Satz klang. Jede Deutung, die dir Mut macht, bringt ihre Gegenrechnung gleich mit. Wenn dann das Nein kommt, bist du enttäuscht und zugleich merkwürdig erleichtert. Etwas in dir darf aufhören zu rechnen.

Diese Erleichterung kann dich misstrauisch machen. Hast du die Sache weniger gewollt, als du dachtest? Wahrscheinlich nicht. Hoffen und Bangen waren nur dieselbe Anspannung, von zwei Seiten betrachtet. Mit dem einen fällt auch das andere weg.

Daraus folgt aber nicht, dass du früher hättest loslassen sollen. Eine Sache, von der du nichts mehr erwartest, kann dich nicht mehr erschrecken. Sie kann dich allerdings auch nicht mehr freuen. Die schlaflosen Stunden gehörten zu dem, was dir das Ergebnis bedeutet hat.

Beim nächsten Mal wirst du wieder auf eine Antwort warten. Ob du dir dann wünschst, weniger zu hoffen, oder nur, schneller Bescheid zu bekommen, ist nicht dasselbe.

Anna Atkins, Griffithsia setacea, Cyanotypie
Griffithsia setacea · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Griffithsia setacea, Cyanotypie

Griffithsia setacea · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae