30. Januar
Je einsamer ich bin, je ärmer an Freunden, desto mehr will ich das Gesetz achten, das in mir steht. Wenn alles wankt, halte ich mich an das, was ich als recht erkannt habe.
Jane Eyre (frei übertragen)
Hörmodus
Je einsamer ich bin, je ärmer an Freunden, desto mehr will ich das Gesetz achten, das in mir steht. Wenn alles wankt, halte ich mich an das, was ich als recht erkannt habe.
Eine Überzeugung, die niemand mit dir teilt, lässt sich schwer von einem Irrtum unterscheiden. Solange andere zustimmen, wird sie nebenbei mitgeprüft. Fällt diese Zustimmung weg, fehlt dir nicht nur Rückhalt, sondern auch ein Gegenüber, das dich korrigieren könnte.
In solchen Lagen drängt sich gern ein anderer Maßstab vor: das, was sich gerade richtig anfühlt. Er ist näher und lauter. Allerdings wechselt er mit der Erschöpfung, mit der Angst und mit dem Wunsch, wieder irgendwo dazuzugehören.
Was du früher als richtig erkannt hast, stammt dagegen aus einer Stunde, in der nichts auf dich drückte. Daran festzuhalten heißt, jemandem zu vertrauen, der jetzt nicht anwesend ist und den du nicht mehr befragen kannst: dir selbst, ein paar Monate jünger. Auch dieser Mensch konnte sich irren. Aber ihn hat niemand gedrängt.
Vielleicht merkst du irgendwann, dass du einen Grund von damals nicht mehr vollständig zusammenbekommst. Du hältst dich trotzdem daran, so wie du einem Freund glauben würdest, dessen Begründung du gerade nicht hören kannst.