28. Januar
Du suchst die Freiheit draussen, von Tür zu Tür. Der Duft liegt im eignen Leib — und du irrst durch die Welt und suchst ihn. Wer im Innern nichts mehr braucht, ist schon frei.
Lieder des Kabir (frei übertragen)
Hörmodus
Du suchst die Freiheit draussen, von Tür zu Tür. Der Duft liegt im eignen Leib — und du irrst durch die Welt und suchst ihn. Wer im Innern nichts mehr braucht, ist schon frei.
Wenn du etwas dringend brauchst, hörst du schlecht. Ein Lob, auf das du gewartet hast, prüfst du sofort: War es herzlich genug, galt es wirklich dir, hält es bis morgen? Was die andere Person tatsächlich gesagt hat, geht dabei fast unter. Du hast eine Lücke vermessen, nicht einen Satz gehört.
Kommt dieselbe Bemerkung an einem Tag, an dem du sie nicht nötig hast, wird sie seltsam deutlich. Du bemerkst, welche Einzelheit jemandem aufgefallen ist, und vielleicht auch, dass es nicht die war, auf die du selbst stolz warst. Das kann dich interessieren, statt dich zu kränken.
Daraus folgt nicht, dass es gut wäre, niemanden mehr zu brauchen. Manches Brauchen ist einfach Nähe. Wer sich auf nichts mehr angewiesen fühlt, kann auch unerreichbar werden. Der Unterschied liegt eher darin, ob ein Bedürfnis dir noch erlaubt, dein Gegenüber zu sehen, oder ob es nur noch nach Nachschub fragt.
Oft merkst du erst im Nachhinein, an welchem Tag du einfach zugehört hast. Es war kein besonderer. Du musstest an diesem Tag nur nichts bestätigt bekommen.