24. Januar
Lieber halte mich das Schicksal in seinem Feldlager als in seinen Lustgärten.
Briefe an Lucilius, 67. Brief (nach Attalus)
Hörmodus
Lieber halte mich das Schicksal in seinem Feldlager als in seinen Lustgärten.
Vielleicht denkst du an eine anstrengende Zeit mit einer seltsamen Zuneigung zurück. Zurückhaben möchtest du sie nicht. Trotzdem fehlt dir etwas, das es damals gab.
Damals war vieles einfach, obwohl wenig leicht war. Was als Nächstes zu tun war, ergab sich aus der Lage. Ob dein Tag sinnvoll gewesen war, musstest du nicht fragen, denn er war ohnehin voll. Deine Müdigkeit hatte einen Grund, und am Abend wusstest du, wofür.
Wird es ruhiger, kommt eine andere Art von Mühe. Niemand verlangt etwas Bestimmtes von dir. Du hast Zeit und Spielraum, musst damit aber selbst entscheiden, worauf es ankommt. Eine schwierige Lage stellt dir eine Aufgabe. Eine bequeme stellt dir eine Frage, und Fragen lassen sich schlechter abarbeiten.
Deshalb ist auf die Sehnsucht nach der harten Zeit nicht ganz Verlass. Sie kann ein Wunsch nach Klarheit sein. Ebenso gut kann sie der Wunsch sein, diese Frage los zu sein, weil die Umstände sie schon beantwortet haben.
An einem freien Sonntag ohne jede Verpflichtung merkst du manchmal, wie schnell du dir etwas Dringendes suchst.