18. Januar

Alles, was geschieht, ist entweder erträglich oder unerträglich. Ist es erträglich, so trage es und höre auf zu murren. Ist es unerträglich, so murre auch nicht — es endet von selbst. Bedenke nur: Erträglich wird vieles, sobald die Meinung es erträglich nennt.

Marc Aurel Selbstbetrachtungen X,3

Hörmodus

Alles, was geschieht, ist entweder erträglich oder unerträglich. Ist es erträglich, so trage es und höre auf zu murren. Ist es unerträglich, so murre auch nicht — es endet von selbst. Bedenke nur: Erträglich wird vieles, sobald die Meinung es erträglich nennt.

Marc Aurel

Ein Zug hält auf offener Strecke, und die Durchsage nennt keine Zeit. Zwanzig Minuten mit Ankündigung hättest du gelassen hingenommen. Zehn Minuten ohne werden zäh. Schwer ist dann weniger das Warten als die fehlende Grenze, an der du dich festhalten könntest.

Vieles, was du unerträglich nennst, erträgst du in diesem Moment ja schon. Das Wort beschreibt also selten, wie viel Kraft du tatsächlich hast. Eher hält es eine Befürchtung fest: dass es so bleibt, dass es schlimmer wird, dass niemand es bemerkt.

Manchmal kannst du diese Befürchtung prüfen, und die Last wird kleiner. Doch auf der anderen Seite gibt es eine unbequeme Verwechslung. Auch Gewöhnung macht erträglich. Ein Lärm, ein Ton, in dem jemand mit dir spricht, ein Arbeitstag, der regelmäßig zu lang ist: Irgendwann stört dich das kaum noch. Das kann Gelassenheit sein. Es kann aber auch heißen, dass du dich still mit etwas abgefunden hast, das sich ändern ließe.

Dein Murren ist dir dabei vielleicht selbst lästig. Ob du ohne es gelassener geworden bist oder nur leiser, lässt sich von innen schwer unterscheiden.

Anna Atkins, Gigartina acicularis, Cyanotypie
Gigartina acicularis · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Gigartina acicularis, Cyanotypie

Gigartina acicularis · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae