12. Januar
Durch Härte und Entbehrung bin ich geworden, was ich bin. Recht getragen, ist das Leiden nicht der Umweg zur Freiheit, sondern der kürzeste Pfad.
Die hunderttausend Lieder (frei übertragen)
Hörmodus
Durch Härte und Entbehrung bin ich geworden, was ich bin. Recht getragen, ist das Leiden nicht der Umweg zur Freiheit, sondern der kürzeste Pfad.
Wenn du erzählst, wie du durch eine schwere Zeit gekommen bist, klingt sie im Rückblick oft folgerichtig. Du nennst, was du dabei gelernt hast, und das stimmt auch. Merkwürdig wird es erst, wenn dich jemand fragt, ob du dieselbe Zeit einem Menschen wünschen würdest, den du magst.
Vermutlich nicht. Das widerspricht deiner Geschichte nicht, aber es zeigt ihre Grenze. Was dich geformt hat, lässt sich nicht als Methode weitergeben. Die Härte allein hat wenig entschieden. Vieles hing daran, wer gerade da war, was du dir zugetraut hast und ob dazwischen ein Tag kam, an dem du schlafen konntest. Andere sind an Ähnlichem kleiner geworden, und das lag nicht an mangelndem Willen.
Was am Leiden tatsächlich abkürzt, ist vielleicht nur, dass es Ausweichwege schließt. Für manches Nebensächliche bleibt dann einfach keine Kraft mehr. Ob daraus Freiheit wird oder bloß Enge, zeigt sich erst später, und es liegt nicht in deiner Hand allein.
Wenn der Mensch, den du magst, in eine solche Zeit gerät, wirst du ihm trotzdem zuerst einen Teller hinstellen.