11. Januar

„Alles ist Meinung" — was das Wort des Monimos besagt, ist offenkundig. Offenkundig aber auch sein Nutzen: wenn man seinen Kern nimmt, soweit er wahr ist.

Marc Aurel Selbstbetrachtungen II,15

Hörmodus

„Alles ist Meinung" — was das Wort des Monimos besagt, ist offenkundig. Offenkundig aber auch sein Nutzen: wenn man seinen Kern nimmt, soweit er wahr ist.

Marc Aurel

Eine Bemerkung, die jemand nebenbei fallen lässt, kann dich einen ganzen Abend beschäftigen. Du wiederholst sie, gibst ihr einen Ton, den sie vielleicht nie hatte, und fügst Absichten hinzu. Irgendwann merkst du, dass das meiste von dem, was dich daran quält, von dir stammt. Der Satz selbst war kurz.

Das kann entlasten. Was du hinzugefügt hast, kannst du auch wieder weglassen, nicht auf Befehl, aber nach und nach.

Schwieriger wird es, wenn dir jemand anderes von einer solchen Bemerkung erzählt. Dieselbe Einsicht klingt ihm gegenüber plötzlich anders: als wolltest du sagen, er bilde sich seinen Kummer nur ein. Was dir eben noch Spielraum verschafft hat, nimmt ihm welchen. Er hatte keinen Abend Abstand, und nach deiner Deutung hat er nicht gefragt.

Der Gedanke scheint also nur in eine Richtung zu taugen: für das, was du selbst hörst. Und auch dort hat er eine Grenze. Manche Sätze waren genau so gemeint, wie sie bei dir angekommen sind. Dann hast du nichts hinzugefügt. Du hast nur richtig zugehört.

Anna Atkins, Furcellaria fastigiata, Cyanotypie
Furcellaria fastigiata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Furcellaria fastigiata, Cyanotypie

Furcellaria fastigiata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae