9. Januar
Die Freude des Menschen: das Menschliche tun.
Selbstbetrachtungen VIII,26
Hörmodus
Die Freude des Menschen: das Menschliche tun.
„Das ist doch menschlich“, sagst du, wenn jemand einen Termin vergessen hat oder in der Aufregung zu laut geworden ist. Das Wort entlastet. Es erklärt einen Fehler aus der Natur dessen, der ihn begangen hat, und nimmt ihm so etwas von seinem Gewicht.
Wenn etwas gelingt, greifst du seltener zu diesem Wort. Folgst du einem Gedanken bis zum Ende, obwohl er unbequem wird, oder hörst du jemandem zu, bis du verstehst, was er eigentlich meint, dann nennst du das eher klug oder freundlich. Als wäre das Menschliche vor allem der Bereich, in dem Versagen erlaubt ist.
Dabei liegt in solchen Momenten oft eine Freude, die sich vom Erfolg unterscheidet. Sie hängt nicht davon ab, ob jemand dankt oder ob die Sache gut ausgeht. Es fühlt sich eher an, als hättest du etwas benutzt, das ohnehin in dir angelegt war und lange ungenutzt lag.
Die Entlastung willst du trotzdem nicht hergeben. Du brauchst sie für die vielen Tage, an denen dir das andere nicht gelingt.
Beim nächsten vergessenen Termin sagst du es wieder. Es stimmt ja auch.