7. Januar
Das meiste, was wir sagen und tun, ist nicht notwendig. Wer es weglässt, hat mehr Ruhe und weniger Mühe. Darum frage dich bei jedem Ding: Gehört dies zum Notwendigen? — und lass nicht nur unnötige Handlungen weg, sondern auch unnötige Vorstellungen: Dann folgen ihnen auch keine überflüssigen Taten.
Selbstbetrachtungen IV,24
Hörmodus
Das meiste, was wir sagen und tun, ist nicht notwendig. Wer es weglässt, hat mehr Ruhe und weniger Mühe. Darum frage dich bei jedem Ding: Gehört dies zum Notwendigen? — und lass nicht nur unnötige Handlungen weg, sondern auch unnötige Vorstellungen: Dann folgen ihnen auch keine überflüssigen Taten.
Vor einem Gespräch legst du dir manchmal Antworten auf Einwände zurecht, die noch niemand erhoben hat. Du hörst den anderen schon sagen, du hättest zu spät Bescheid gegeben, und findest eine gute Erwiderung. Dann noch eine bessere.
Im Gespräch selbst kommt der Einwand nicht. Die Erwiderung ist trotzdem da. Sie färbt deinen Ton und macht deine Sätze etwas länger und vorsichtiger, als die Lage verlangt. Vielleicht sprichst du die Verspätung sogar selbst an, nur um sie zu erklären. So ist ein Vorwurf, den niemand ausgesprochen hat, doch noch in den Raum gelangt.
Weglassen ist hier schwieriger, als es klingt. Eine Handlung kannst du unterlassen. Eine Vorstellung hat sich dagegen meist schon gebildet, bevor du prüfen konntest, ob du sie brauchst. Und ganz unvorbereitet gehst du auch nicht gern hinein; manchmal kommt der Einwand ja wirklich.
Manchmal merkst du es mitten im Satz: Du antwortest jemandem, der gar nicht spricht. Dein Gegenüber hat eben etwas ganz anderes gefragt und wartet noch darauf.